Das Prinzip Kommunikation
Was als einzelne Initiative begann, entwickelte sich über Jahre zu einem strukturierten Kommunikationssystem. Ein Modell dafür, wie Organisationen eine belastbare Architektur aus Redaktion, Design und digitaler Infrastruktur aufbauen – um kohärent zu kommunizieren.
Analyse & Strategie · Kommunikationsarchitektur · Konzept & Design · Editorial & Redaktion · Webentwicklung · Fotografie
1.
DIE AUSGANGSLAGE
2008 betrat ich zum ersten Mal das Gelände des Marienburger Sport-Clubs auf der Suche nach einem neuen Tennisverein. Doch der Marienburger Sport-Club, kurz MSC, wurde bald mehr als ein Ort: Aufgabe, Bühne, Labor. Was als private Leidenschaft begann, entwickelte sich über Jahre zu einem Kommunikationssystem, das Design, Sprache und Struktur verband – geschaffen aus Engagement und aus einem Gefühl von Zugehörigkeit.
2.
Die Herausforderung
Hobbyvereine haben keine Kommunikationsabteilungen. Budgets sind knapp, Entscheidungen werden in Mitgliederversammlungen getroffen, Prioritäten liegen im Spielbetrieb. Trotzdem findet Kommunikation statt – ob man sie gestaltet oder nicht. Der MSC wuchs. Und mit ihm der Bedarf, Haltung sichtbar zu machen – im Auftritt, im Ton, im Miteinander.
3.
Der Ansatz
Zuerst war es ein Plakat, dann ein Magazin, später eine Webseite – schließlich ein System. Ein Sponsoringkonzept, das aus dem Verein heraus entwickelt wurde; eine Redaktion, die Geschichten erzählte; ein Design, das Identität stiftete. Alles auf freiwilliger Basis – aber mit professionellem Anspruch.
Jedes Medium war zugleich Werkzeug und Experiment: Wie lässt sich Gemeinschaft sichtbar machen, wenn niemand sie bestellt?
Ein schlichter Anfang: ein paar Plakate, ein paar Ideen, wie man das alles besser gestalten könnte. Zwischen Kölsch, Engagement und Zufall entstand ein erstes Netzwerk – Väter, Mütter, Trainer, Spieler. Und mit der Zeit eine Struktur.
Mit den Jahren veränderte sich auch der Verein. Die Mitgliederzahlen stiegen, der Sport wurde professioneller, die Ansprüche wuchsen. Spätestens mit dem Aufstieg der Tennisdamen und -herren in die Regionalliga war klar: Wer Leistungssport anbietet, braucht auch professionelle Kommunikation – und finanzielle Mittel.
4.
Die Umsetzung
Die Entwicklung des Sponsoringkonzeptes war die Antwort auf die ökonomische Herausforderung, professionelle Kommunikation und kontinuierliche Arbeit im Verein zu finanzieren.
Das erste Sponsoringkonzept entstand am Wohnzimmertisch, an einem Sonntagmorgen. Es war der Versuch, Ordnung in etwas zu bringen, das längst gewachsen war.
Ein interdisziplinäres Team aus fünf Ehrenamtlichen entwickelte Modelle, Flächen und Ansätze für eine strukturierte Zusammenarbeit mit Partnern.
2016 wurde das Konzept verabschiedet – als Finanzierungsmodell und als Kommunikationsinstrument: Sponsorenmappe, Werbekatalog, Visualisierung des Vereinswerts.
Im ersten Jahr wurden über 130.000 Euro eingeworben. Entscheidend war jedoch weniger die Summe als der Perspektivwechsel: Der Verein begann, sich selbst strategischer zu verstehen – mit einer klareren Stimme, einem erkennbaren Auftritt und einem konsistenten System.
Die Kommunikationsarchitektur
Zum Sponsoring kam das Magazin, zum Magazin die Webseite, zur Webseite der Newsletter. Print, Digital, Redaktion – Bausteine eines wachsenden Gefüges. Es entstand eine strukturierte Kommunikationsarchitektur, in der Inhalte, Formate und Kanäle aufeinander abgestimmt waren:
Funktionsmodule
Bild- und Textsprache
Entwicklung und Anwendung einer konsistenten visuellen und redaktionellen Linie über Print, Plattform und Social Media hinweg.
Kommunikationsplattform
Aufbau und Steuerung einer kanalübergreifenden Plattform aus Webseite, Newsletter, Vereinsdisplays und Social Media.
Jahres- und Sportmagazine
Herausgabe periodischer Magazine als redaktionelles Leitmedium innerhalb der Gesamtkommunikation.
100 Jahre Chronik
Konzeption, Redaktion, Gestaltung und Produktion der Jubiläumschronik (320 Seiten).
Virtuelle Online-Tour
Entwicklung einer 360°-Tour als digitale Erweiterung des Vereinsraums.
Bausteine im Zusammenhang
Folgende Beispiele verdeutlichen die praktische Anwendung der einzelnen Funktionsmodule innerhalb der Kommunikationsarchitektur. Jedes Modul übernimmt eine eigene Rolle – inhaltlich, strukturell oder organisatorisch. Erst im Zusammenspiel entsteht das System.
Konsistente Bild- und Textsprache
Redaktionelle Linie und visuelle Identität im Einsatz: umgesetzt in der Berichterstattung & Promotion zur 2. Tennis-Bundesliga über Print, Plattform und Social Media hinweg.
Kommunikationsplattform
Die MSC-Plattform bündelt Webseite, Newsletter und Displays in einer gemeinsamen Infrastruktur. Sie strukturiert Inhalte kanalübergreifend, koordiniert Veröffentlichungen und schafft eine kontinuierliche Informationsbasis für Sport, Vereinsleben und Veranstaltungen.
100 Jahre Chronik
Konzeption, Redaktion und Gestaltung der Jubiläumschronik (320 Seiten) – Archivarbeit, historische Recherche und Einordnung als dokumentierte Grundlage der Vereinsidentität innerhalb der Kommunikationsarchitektur.
VIRTUELLE ONLINE-TOUR
Entwicklung einer interaktiven 360°-Tour als digitale Erweiterung des Vereinsraums. Integration von Informations- und Sponsoringelementen in eine begehbare, dauerhaft zugängliche Kommunikationsfläche.
Die Magazine im System
Von 2016 bis 2024 erschienen nahezu jährlich die MSC-Magazine. Sie bildeten einen wiederkehrenden redaktionellen Raum des Rückblicks und der Einordnung. Über dreizehn Ausgaben, einschließlich sportartspezifischer Sonderhefte, entstand eine fortlaufende Dokumentation, die den Verein in unterschiedlichen Phasen begleitete – im Aufbau, im Umbruch, im Erfolg.
Sprache, Bildwelt und Struktur entwickelten sich parallel zum Verein selbst – klarer, bewusster, konsistenter. Die Magazine wurden so zu einem verbindenden Element innerhalb der Gesamtkommunikation. Sie strukturierten Zeit, bündelten Ereignisse und gaben dem Vereinsjahr einen Rahmen. Ihre Wirkung lag weniger im einzelnen Heft als in der Kontinuität.
Die Summe daraus:
Ein über Jahre gewachsenes Kommunikationsökosystem – getragen von Idealismus, strukturiert mit professionellem Anspruch.
Jahres- und Sportmagazine
Über mehrere Jahre hinweg entstanden Magazine, die sportliche Entwicklungen dokumentierten und redaktionelle Arbeit mit strategischer Kommunikation verbanden. Als periodisches Format strukturierten sie Zeit, bündelten Ereignisse und verankerten das Vereinsgeschehen im Gesamtsystem.
5.
Die Wirkung
Sichtbarkeit & Wiedererkennbarkeit
Der Verein gewann an Sichtbarkeit, Struktur und Wiedererkennbarkeit. Die gelb-schwarze Präsenz wurde im Alltag selbstverständlich – auf der Webseite, in Magazinen, auf Displays und bei Veranstaltungen.
Identifikation & Zugehörigkeit
Ob die positive Entwicklung der Mitgliederzahlen unmittelbar auf die Kommunikationsarbeit zurückzuführen ist, lässt sich nicht eindeutig belegen. Doch mit der gestiegenen Wahrnehmung wuchs auch die Identifikation. Erwachsenenteams traten freiwillig in einheitlicher Vereinskleidung zu Punktspielen an – ein Zustand, der zuvor kaum denkbar war. Im Jugendbereich entwickelte sich ein spürbarer Zugehörigkeitseffekt.
Akzeptanz & Partnerschaft
Auch im Sponsoring zeigte sich eine Veränderung. Das strukturierte Konzept fand intern Akzeptanz und erleichterte die Ansprache externer Partner. Neue Sponsoren orientierten sich an bereits sichtbaren Engagements. Präsenzflächen wurden klar definiert. Der Verein wurde als verlässlicher Partner wahrgenommen.
Kontinuität als Formel
Die Effekte lassen sich nicht auf einzelne Maßnahmen reduzieren. Sie entstanden aus Kontinuität. Was als freiwilliges Engagement begann, entwickelte sich zu einer belastbaren Kommunikationsstruktur – auch ohne eigene Abteilung oder kommerziellen Rahmen.
6.
Die Erkenntnis
Kommunikation ist kein Kostenfaktor, sondern ein Kulturfaktor.
Sie beginnt dort, wo Menschen beginnen, sich zu organisieren – in Sprache, in Bildern, in Systemen.
Systeme verändern sich. Menschen auch.
Was bleibt, ist die Struktur, die sie über Zeit trägt.
Mehr als Magazin, Webseite oder Sponsoringmodell bleibt die Erfahrung, dass Kommunikation nicht primär von Budgets abhängt, sondern von Kontinuität. Dass Gestaltung Strukturen schafft, wo zuvor nur Engagement war. Und dass Identität entsteht, wenn viele Stimmen einen gemeinsamen Ton finden:
Und doch – es bleibt unverkennbar der MSC.«